Sammlung von Newsfeeds

US-Studium exklusiv: Mit HipHop an die Schnösel-Uni

Spiegel Uni News - 29. Juni 2010 - 9:26
Amerikanische Hochschulen locken Angehörige von Minderheiten, weil der soziale Anstrich gut fürs Image ist. Im Studium lassen sie die Umworbenen dann allein: Schwarze und Latinos brechen auffällig oft ab. Ihren Status bekommen sie von den Kommilitonen zu spüren.
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US-Uni Berkeley: Gentests für Erstsemester provozieren Protest

Spiegel Uni News - 27. Juni 2010 - 21:50
Revolutionäre Idee, riesige Aufregung: Im Begrüßungspaket für die Erstsemester 2010 liegt an der Universität von Berkeley ein Wattestäbchen bei. Damit will die Hochschule die DNA der Neulinge testen und so eine Debatte über Gentests entfachen. Das hat geklappt - von vielen Seiten kommt Kritik.
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Länder-Blockade: Stipendienprogramm rauscht in die Abseitsfalle

Spiegel Uni News - 25. Juni 2010 - 18:18
Das nationale Stipendienprogramm der schwarz-gelben Bundesregierung ist im Bundesrat vorerst gescheitert. Im Finanzausschuss lehnten 15 von 16 Ländern das Gesetz ab - auch Nordrhein-Westfalen, wo die Idee erdacht wurde. Was aus der geplanten Bafög-Erhöhung wird, ist noch offen.
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Reportageschule: Auf Wundersuche in den Schrebergarten

Spiegel Uni News - 25. Juni 2010 - 13:21
Alles schreiben, was wichtig und interessant ist - und immer auf die schönen Details achten: Johan Kornder hat sein Jahr an der Zeitenspiegel-Reportageschule genossen. Am Ende der Reutlinger Ausbildung wollten er und seine Mitschüler kaum mehr auseinandergehen.
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Evangelische Schule: Ethischer Journalismus, aber ohne Beten

Spiegel Uni News - 25. Juni 2010 - 13:20
Müsst ihr am Morgen beten? Sind Witze über Jesus okay? Solche Fragen hören Schüler der Evangelischen Journalistenschule manchmal. Für Jana Petersen und Adrian Pickshaus zählt aber vor allem eins: Ihre Schule gibt ihnen ein stabiles Wertegerüst mit auf den Berufsweg.
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Beruf Schreiben: Der Journalist als guter Mensch und Abenteurer

Spiegel Uni News - 25. Juni 2010 - 13:01
Journalismus im Namen des Herrn? Und ein Trainingslager für Edelfedern? Diese beiden Schulen haben ungewöhnliche Konzepte: Die Evangelische Journalistenschule in Berlin setzt vor allem auf ein stabiles Wertegerüst. Und die Zeitenspiegel-Reportageschule in Reutlingen lehrt genaues Hinsehen.
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Studieren in Pakistan: "Ein kalkulierbares Risiko"

Spiegel Uni News - 25. Juni 2010 - 12:36
Ein Auslandsstudium ausgerechnet in Pakistan? In den Augen vieler Westler steht das Land für Terrorgefahr und Taliban. Zwei Passauer Studenten wagten sich dennoch nach Lahore. Vom Studium sind sie begeistert - und an der Wirtschafts-Uni weht ein überraschend liberaler Geist.
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Zu Ende gedacht: Professor Dr. Oliver Vornberger

Die ZEIT Uni-News - 25. Juni 2010 - 10:51

Professor Dr. Oliver Vornberger

Ich beginne meinen Tag…
mit einer halben Stunde Frühschwimmen im Osnabrücker Freibad „Moskau“.

Meine besten Einfälle habe ich…
immer dann, wenn ich nicht damit rechne.

Wenn ich einen Rat brauche…
frage ich meine Brüder.

Am meisten ärgere ich mich…
über Egoismus und mangelnden Gemeinsinn. Die fortwährende Umverteilung von unten nach oben wird für die gesamte Gesellschaft sehr unerquicklich enden.

Das nächste Buch, das ich lesen will…
lasse ich mir wieder von meiner Stadtbibliothek empfehlen.

Wenn ich das Fernsehen anschalte…
dann schaue ich eine der hervorragenden Dokumentationen in den öffentlich rechtlichen Sendern.

Energie tanke ich…
auf Langeoog beim Spazieren und Radfahren.

Wenn ich mehr Zeit hätte…
würde ich sie vermutlich wieder bis zum Rand mit denselben Terminen füllen, die ich auch jetzt schon kaum bewältigt bekomme.

Eine unverhoffte Million würde ich…
vor den Banken in Sicherheit bringen.

Ich frage mich manchmal…
wie die Welt funktioniert hat, als es das Internet noch nicht gab.

Die Wahrheit zu finden…
scheint mir unlösbar zu sein, da sich ständig neue Standpunkte und Blickwinkel ergeben, die alle eine gewisse Berechtigung haben.

Das Bewusstsein von der eigenen Vergänglichkeit…
sollte uns anspornen, etwas Nützliches aus der begrenzten Zeit zu machen.

Kreativität entsteht…
durch Unruhe, Ehrgeiz und Freude am Tüfteln.

Freude an meinem Beruf…
habe ich insbesondere dann, wenn sich Studenten am Ende des Semesters für eine gelungene Vorlesung bedanken.

Die Zeit meines Studiums…
habe ich in guter Erinnerung: eine Prüfungsordnung passte auf eine DIN-A4-Seite.

Wissenschaftler sind Menschen…
die ihre Neugier zum Beruf gemacht haben.

Wenn ich Wissenschaftsminister wäre…
würde ich meine Professoren ermuntern, sich weniger gegenseitig zu beeindrucken, sondern den Nutzen von Bildung der Öffentlichkeit zu erklären.

Der Fortschritt von Wissenschaft und Technik…
wird von vielen Menschen zu wenig gewürdigt. Handy, Waschmaschine und Gleitsichtbrille funktionieren nur aufgrund intensiver Ingenieuranstrengungen, die uns einen – im Vergleich zu früheren Zeiten und anderen Ländern – beachtlichen Lebensstandard beschert haben.

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Lesen und lesen lassen

Die ZEIT Uni-News - 25. Juni 2010 - 10:51
Kollateralschäden der Föderalismusreform

Der Titel (und Covertext) verspricht eine kritische Analyse der allmählich zu Tage tretenden Kollateralschäden der Föderalismusreform. So werden in einem gerafften Überblick (S. 195 ff.) klar negative Folgen aufgelistet: Rechtszersplitterung, Besoldungswettlauf (eher nach unten) bzw. -schere, Normsetzungswettbewerb der Länder anhand des Effizienzdogmas, Schwächen der landesspezifisch gehandhabten W-Besoldung, Verhinderung statt Erleichterung von Mobilität. Indes findet man nichts, was man nicht schon aus vielfältigen anderen Quellen seit den Gesetzgebungsverfahren gewusst hätte. Die Auswahl der Schrifttumsquellen, die durch einige „big shots“ und ein unvermeidliches, wenngleich belangloses Kant-Zitat (Fn. 118) aufgepeppt werden, ist eher zufällig. Auch die verfassungsrechtliche – zum Teil triviale –Analyse ist nicht ganz up to date: So wird unter Hinweis auf BVerfG NVwZ 2008, 875 ff. und auf Schrifttum der Eindruck erzeugt, der „Professor auf Zeit“ sei nach wie vor eine seltene Ausnahme, obwohl die neuere Praxis zunehmend dazu übergegangen ist, Erstberufungen grundsätzlich nur auf Zeit vorzunehmen (z.B. „Münchner Modell“). Ebenso bleibt (S. 169 ff.) unerwähnt, dass das Hessische TUD-Gesetz vorsieht, Hochschullehrer grundsätzlich nur noch als Angestellte zu beschäftigen. Schließlich provoziert die „reduzierte Gehorsamspflicht“ des beamteten Hochschullehrers (S. 63) geradezu die Frage nach den jüngsten „Maulkorberlassen“. All dies berührt mehr oder weniger einschlägige Aspekte der Föderalismusreform. Dagegen hat die Erwähnung der Änderung von Art. 91a GG (S. 66) mit dem Thema überhaupt nichts tun. Eine dogmatische Kapriole ist es, aus Art. 5 Abs. 3 GG ein „drittnütziges Grundrecht der Gesellschaft auf unbevormundete Wissenschaft“ ableiten zu wollen und dieses auch noch mit einer (objektiven) Garantie unabhängiger Forschungseinrichtungen zu verknüpfen (S. 104). Lektorisch unschön ist die zweifache Verwendung einer verbal nur leicht veränderten Aussage (S. 64 und 102). So hinterlässt die Schrift – trotz „akribischer und kompetenter Recherchen“ (Vorwort) – den Eindruck unausgereifter Redundanz.

Lothar Knopp/Wolfgang Schröder: Beamte und Hochschullehrer – Verlierer der Föderalismusreform? Logos Verlag, Berlin 2010, 221 Seiten, 39,- Euro.

Professor Dr. Max-Emanuel Geis, Universität Erlangen-Nürnberg

Entdeckungsreise

Mitglieder der Jungen Akademie der Wissenschaft haben sich auf eine ungewöhnliche Suche begeben. Sie wollten Orte der Wissenschaft finden, die zum Entdecken, Staunen und Begreifen einladen. Wo gibt es in der modernen Wissensgesellschaft Orte, die wissenschaftliche Erkenntnis erfahrbar machen und als säkulare Pilgerstätten eine besondere Anziehungskraft besitzen? In 76 interessanten Essays beschreiben namhafte Wissenschaftler, Autoren und Journalisten solche Mekkas der Moderne jeweils aus sehr persönlicher Perspektive. Von Cape Canaveral bis zum sog. Unerreichbarkeitspol nimmt dieser außergewöhnliche Reiseführer seine Leser mit zu den unterschiedlichsten Wissensorten unserer globalisierten Welt: z.B. zum Forschungszentrum Cern bei Genf, nach Lambaréné an die Wirkungsstätte Albert Schweitzers, zum Institute for Advanced Study in Princeton, zur Fuggerstadt Augsburg oder zum Mars. Der Leser kann quer durch das Buch auf eine anregende Entdeckungsreise gehen, die neugierig macht und Lust zu eigenen Erkundungen weckt.

H. Schmundt / M. Vec / H. Westphal (Hg.): Mekkas der Moderne. Pilgerstätten der Wissensgesellschaft, Böhlau Verlag, Köln u.a. 2010, 424 Seiten, 24,90 Euro.

Ina Lohaus

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Steuerrecht aktuell

Die ZEIT Uni-News - 25. Juni 2010 - 10:49
Preisgeld

Preisgelder im Rahmen eines Architektenwettbewerbs, bei denen der Veranstalter typische Berufsleistungen eines Architekten zum Inhalt seiner Ausschreibung macht und auch ein besonderes wirtschaftliches Interesse an dem Ergebnis des Wettbewerbs hat, haben den Charakter eines leistungsbezogenen Entgelts. Auch die nachträgliche Teilnahme an einem Preiswettbewerb stellt eine weitere Ausnutzung der beruflichen Arbeit dar. Die erzielten Preisgelder sind als unmittelbare Folge der beruflichen Tätigkeit anzusehen und somit steuerpflichtig.

Nur wenn mit dem Preis das Lebenswerk oder das Gesamtschaffen des Preisträgers ausgezeichnet wird, liegt kein wirtschaftlicher Leistungsaustausch vor, und ein solches Preisgeld wäre einkommensteuerfrei.

Finanzgericht Münster, Urteil vom 16.10.2009 – 10 K 4647/07 F

Reisekosten

Aufwendungen für die Hin- und Rückreise bei gemischt beruflich und privat veranlassten Reisen können in abziehbare Werbungskosten/Betriebsausgaben und nicht abziehbare Aufwendungen für die private Lebensführung nach Maßgabe der beruflich und privat veranlassten Zeitanteile der Reise aufgeteilt werden, wenn die beruflich veranlassten Zeitanteile festzustellen und nicht von untergeordneter Bedeutung sind. Der Kläger hatte Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit und besuchte eine Computermesse in Amerika. Er flog am Freitag los; die Messe begann am Montag und endete am Donnerstag; am Samstag flog der Kläger zurück nach Deutschland. Er machte folgende Aufwendungen geltend: Flugkosten, Tagungsgebühren, Verpflegungsmehraufwand und Hotelkosten für sechs Übernachtungen. Das Finanzamt erkannte nur die Tagungsgebühren als Werbungskosten an. Das Finanzgericht dagegen erkannte von den sieben Tagen des USA-Aufenthaltes vier Tage mit einem eindeutig beruflichen Anlass (also vier Übernachtungen und Verpflegungsmehraufwendungen für fünf Tage) und die Flugkosten zu 4/7 steuerlich als Werbungskosten an.

Der Bundesfinanzhof hielt das Urteil der Vorinstanz für zutreffend und die Anerkennung der 4/7 als Werbungskosten für korrekt.

Da es bisher jedoch anderslautende Entscheidungen des BFH gab, wurde der Große Senat des Bundesfinanzhofes angerufen. Das Bundesfinanzministerium trat dem Verfahren ebenfalls bei. Hintergrund ist die Rechtsprechung, dass bisher gemäß §12 Nr. 1 Satz 2 EStG die für den Haushalt des Steuerpflichtigen und für den Unterhalt seiner Familienangehörigen aufgewendeten Beträge bei der Einkommensermittlung nicht abgezogen werden konnten. Dazu gehörten auch die Aufwendungen für die Lebensführung, die die wirtschaftliche oder gesellschaftliche Stellung des Steuerpflichtigen mit sich bringt, wenn sie zur Förderung des Berufs oder der Tätigkeit der Steuerpflichtigen erfolgen. Insofern ging man bisher von einem Aufteilungs- und Abzugsverbot bei gemischten Aufwendungen aus.

Der Große Senat entschied jedoch: Aufwendungen für die Hin- und Rückreise bei gemischt beruflich und privat veranlassten Reisen können grundsätzlich aufgeteilt werden. Die Vorschrift des § 12 Nr. 1 Satz 2 EStG steht einer Aufteilung von gemischt veranlassten Reisekosten nicht mehr entgegen.

Das unterschiedliche Gewicht der verschiedenen Veranlassungsbeiträge kann es jedoch im Einzelfall erfordern, einen anderen Aufteilungsmaßstab heranzuziehen oder ganz von einer Aufteilung abzusehen. Bei der Ermittlung der Einkünfte sind die Aufwendungen steuerlich abziehbar, wenn sie durch die Einkünfteerzielung veranlasst sind. Eine solche Veranlassung ist nur dann gegeben, wenn die Aufwendungen mit der Einkünfteerzielung objektiv zusammenhängen und ihr subjektiv zu dienen bestimmt sind, d.h. wenn sie in wirtschaftlichem Zusammenhang mit einer Einkunftsart des Einkommensteuergesetzes stehen. Reisekosten, die sowohl den beruflichen als auch den privaten Reiseanteil betreffen (z.B. Kosten der Hin- und Rückreise zu einem Auslandsaufenthalt, der berufliche und private Teile umfasst), sind zur Umsetzung des Nettoprinzips entsprechend aufzuteilen. Somit ist das Aufteilungsverbot „gekippt“. Allerdings wird es nach wie vor so sein, dass Zweifel zu Lasten des Steuerpflichtigen gehen, so dass hier jedem Steuerpflichtigen empfohlen wird, möglichst Beweise zu sammeln, um den beruflich veranlassten Teil der Reise begründen zu können.

Bundesfinanzhof, Urteil vom 21.9.2009, veröffentlicht am 13.1.2010 – GrS 1/06

Zweitwohnungssteuer

Das Bundesverfassungsgericht hat entschieden, dass Inhaber einer Zweitwohnung in Berlin auch dann zur Zahlung einer Zweitwohnungssteuer verpflichtet sind, wenn die Wohnung aus Ausbildungsgründen bewohnt wird (wie im vorliegenden Fall eines Studenten, der an seinem Nebenwohnsitz in Berlin ein Zimmer im einem Studentenwohnheim bewohnte, obwohl am Hauptwohnsitz sein ehemaliges Kinderzimmer in der elterlichen Wohnung zur Verfügung stand).

Bundesverfassungsgericht, Urteil vom 17.2.2010

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Entscheidungen

Die ZEIT Uni-News - 25. Juni 2010 - 10:49
Studiengebühren und Drittmittelfinanzierung

Der Kläger war mit mehreren befristeten Verträgen als Lehrkraft für besondere Aufgaben ununterbrochen an der Hochschule des beklagten Landes beschäftigt. Er hielt überwiegend Lehrveranstaltungen in den neuen Bachelor- und Master-Studiengängen ab und nicht wie im Arbeitsvertrag ausgewiesen in den auslaufenden Diplom-Studiengängen. Die Befristung des Arbeitsvertrages wurde mit Hinweis auf § 2 Abs. 2 Wissenschaftszeitvertragsgesetz (WissZeitVG) begründet. Die zur Finanzierung der Stelle genutzten Studiengebühren qualifizierte die Hochschule als Drittmittel. Der Kläger erhob mit Erfolg eine Klage auf Feststellung eines unbefristeten Arbeitsverhältnisses beim Arbeitsgericht Hannover. Das Gericht stellte fest, dass es sich bei einer Lehrkraft für besondere Aufgaben um wissenschaftliches Personal im Sinne des § 1 Abs. 1 WissZeitVG handele. Die Tätigkeit des Klägers sei jedoch nach Auffassung des Gerichtes nicht überwiegend aus Drittmitteln im Sinne des § 2 Abs. 2 WissZeitVG finanziert worden. Es wies darauf hin, dass eine Drittmittelfinanzierung nach der Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts nur dann vorliege, wenn ein Projekt nicht aus den der Hochschule oder Forschungseinrichtung zur Verfügung stehenden regulären Haushaltsmitteln, sondern anderweitig finanziert werde. Die Drittmittelfinanzierung müsse für eine bestimmte Aufgabe und Zeitdauer bewilligt sein. Studienbeiträge hingegen seien nicht für eine bestimmte Aufgabe und Zeitdauer bewilligt, sondern stellten eine regelmäßige und unbefristete Einnahmequelle der Hochschule dar, die für unterschiedliche Bereiche verwendet werden könne und von keiner Bewilligung abhänge. Darüber hinaus sah das Gericht auch keinen sachlichen Grund für eine vorübergehende Beschäftigung des Klägers im Sinne des § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 Teilzeit- und Befristungsgesetz als vorliegend an, da die Lehrtätigkeiten zu den üblichen Aufgaben einer Hochschule zählen, die aus Haushaltsmitteln zu bezahlen seien und dieser betriebliche Bedarf an der Arbeitsleistung mithin nicht nur vorübergehend bestehe.

Arbeitsgericht Hannover, Urteil vom 2. Dezember 2009, Az.: 9 Ca 72/09 Ö

Befristung wegen vorübergehenden Bedarfs

Die Klägerin war mit mehreren befristeten Folgeverträgen bei der Beklagten beschäftigt. Als Grund für die Befristung gab die Beklagte einen vorübergehenden Bedarf an, da ein Rückstand bei der Bearbeitung von Widersprüchen entstanden sei. Für diesen zusätzlichen vorübergehenden Personalbedarf seien im Personalhaushalt der Beklagten zusätzliche Mittel bereitgestellt worden. Die Klägerin begehrte die Feststellung, dass sie bei der Beklagten mit einem unbefristeten Arbeitsvertrag beschäftigt sei. Das Bundesarbeitsgericht führte als Revisionsinstanz aus, dass der Sachgrund des vorübergehenden Bedarfs gemäß § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG) eine Prognose des Arbeitgebers voraussetze, die er bei Vertragsschluss anzustellen habe. Die Befristung wegen vorübergehenden Bedarfs sei zulässig, wenn es um die Erledigung einer zeitweise übernommenen Sonderaufgabe oder einer vorübergehend angestiegenen Arbeitsmenge handele, für deren Erledigung das vorhandene Stammpersonal nicht ausreiche. Eine Befristung des Arbeitsvertrages könne hingegen nicht auf § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 TzBfG gestützt werden, wenn der vom Arbeitgeber zur Begründung der Befristung angeführte Bedarf an der Arbeitsleistung nicht nur vorübergehend, sondern objektiv gesehen dauerhaft bestehe. Ein Sachgrund für die Befristung sei daher nicht im vorliegenden Fall gegeben, da die der Arbeitnehmerin übertragenen Aufgaben Daueraufgaben der Beklagten darstellen würden, die von dem in der Dienststelle der Beklagten beschäftigten Stammpersonal wegen einer von vornherein unzureichenden Personalausstattung nicht erledigt werden könnten. Das Bundesarbeitsgericht stellt mithin bei der Befristung wegen eines vorübergehenden Bedarfs nunmehr darauf ab, dass es bei der Prognose, die der Arbeitgeber bei Vertragsschluss anstellen müsse, darauf ankomme, ob für die Beschäftigung des Arbeitnehmers „kein dauerhafter Bedarf“ bestehe. Es machte darüber hinaus deutlich, dass aus haushaltsmäßig vorübergehend bereitgestellten Mitteln keine Arbeitskräfte in befristeten Arbeitsverhältnissen zulässigerweise beschäftigt werden könnten, die Aufgaben wahrnehmen müssten, die regelmäßig anfielen.

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 17. März 2010, Az.: 7 AZR 640/08

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Wie führe und motiviere ich Mitarbeiter?

Die ZEIT Uni-News - 25. Juni 2010 - 10:48

Leitung und Organisation sind integrale Bestandteile der Dienstaufgaben eines Hochschullehrers. Um die damit verbundenen vielfältigen fachlichen und menschlichen Aufgaben sicher bewältigen zu können, müssen sie über
eine Reihe von persönlichen Fähigkeiten verfügen. Die wichtigsten dieser menschlichen Eigenschaften, eingebürgert hat sich hierfür die Begrifflichkeit Soft Skills, sind Analysevermögen, Handlungs- und Resultatsorientierung, Motivationsfähigkeit, Zielorientierung, Durchsetzungs- und Konfliktfähigkeit, Einfühlungsvermögen, Kommunikations- und Überzeugungskraft, strategisches Denken sowie Selbstreflektion und Veränderungsbereitschaft.

Hinter jedem dieser Schlagworte verbergen sich bestimmte Verhaltensweisen, die den jeweiligen Soft Skill ausmachen. Regelmäßig wird der Hochschullehrer jedoch nicht alle Facetten des Führungshandelns gleich gut beherrschen. Insoweit ist es auf jeden Fall angezeigt, sich aktiv mit seinen Soft Skills zu befassen und sie kontinuierlich weiter zu entwickeln. Neben hoher Kommunikations- und Überzeugungskraft wird von Hochschullehrern vor allen Dingen auch erwartet, ihre Mitarbeiter zu motivieren. Die Motivationsfähigkeit ist damit eine Schlüsselkompetenz im Führungsalltag an der Hochschule. Da allerdings jeder Mensch von anderen Motiven geleitet wird, ist es für Hochschullehrer als Führungskräfte wichtig, die individuellen Motivlagen ihrer Mitarbeiter zu kennen. Bei wissenschaftlichen Mitarbeitern werden regelmäßig intrinsische Motivationslagen, das heißt die Anerkennung in der Scientific Community, vorherrschend sein. Ein stark motivierendes Führungsinstrument ist weiterhin das der Delegation. Die motivationale Komponente der Delegation ergibt sich vor allem daraus, dass die Mitarbeiter Handlungsfreiheit und die Möglichkeiten zur Selbstentfaltung und -organisation erfahren.

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Versorgungsprofessur

Die ZEIT Uni-News - 25. Juni 2010 - 10:39

Hin und her wogen die Wellen. Pro und contra haben gewichtige Argumente. Die gesamte Szene diskutiert den Fall: Darf, soll, muss der ehemalige sachsen-anhaltinische Wissenschaftsminister das Amt des Präsidenten der Humboldt-Universität antreten?

Der Kasus hat viele Facetten. Eine, die in diesem Fall eine wichtige Rolle spielt, ist das Nebeneinander von Präsidentenamt und Professur. Der aus der Hochschule gewonnene Rektor/Präsident wird während seiner Amtszeit von der Wahrnehmung seiner Professur beurlaubt. Bei der Berufung von außen wird das Rektoramt häufig mit einer Versorgungsprofessur ohne Berufungsverfahren als Rückfallposition abgefedert. Warum eigentlich? Warum müssen Wissenschaftsmanager, die Wissenschaft als Beruf abgelegt haben, mit einer Versorgungsprofessur unterfüttert werden? Warum beurlaubt nicht der abgebende Dienstherr? Warum trifft man nicht einfach finanzielle Regelungen für den Fall des (vorzeitigen) Ausscheidens aus dem Amt? Warum mutet man den Fakultäten eine Verletzung ihres Selbstergänzungsrechts zu? Zudem ist eine inhaltliche Rückkehr in die Wissenschaft in vielen Fächern nach längerer Unterbrechung kaum noch möglich. Die Rektorenberufung von außen kann eine gute Lösung sein, eine damit einhergehende Versorgungsprofessur ist strukturell immer suboptimal.

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Die beiläufige Lässigkeit

Die ZEIT Uni-News - 25. Juni 2010 - 10:27

Mit zunehmendem Erfolgsdruck im Beruf geht eine wachsende Unsicherheit in Etikettefragen einher. Eine Fülle von Ratgeberliteratur und Kursangeboten spiegeln diese Entwicklung. Ein Phänomen, das in seiner kulturhistorischen Dimension betrachtet werden sollte.

Als das Bremer Focke-Museum 2009 eine Ausstellung über Manieren ankündigte, wurde der Wunsch laut, dass diese Ausstellung von möglichst vielen Menschen besucht werden möge, die es angeblich bitter nötig hätten. Nun lässt die häufig gefühlte Zwanglosigkeit unserer Gesellschaft viele Menschen argwöhnen, dass nach 1968 möglicherweise etwas Wertvolles aufgegeben worden sei. Vom „Benimmvakuum der 68er-Generation“ war die Rede (Wirtschaftswoche, Nr. 23, 2. Juni 2005, S. 86). Hinzu kommt, dass immer dann, wenn eine jüngere Generation heranwächst, die Älteren zu erkennen glauben, dass diese keine Manieren mehr habe. Dieses Phänomen ist zeitlos. Wer das zu ernst nehmen wollte, der müsste in der Tat eine Kulturgeschichte des permanenten Scheiterns konstatieren.

Andere, die von der geplanten Ausstellung im Focke-Museum erfuhren, hofften, davon vielleicht selber profitieren zu können, insbesondere in beruflichen Situationen: Wer grüßt wen zuerst, wie stehe ich ein mehrgängiges Geschäftsessen durch, ohne mit den Bestecken durcheinanderzukommen, welche Benimm-Regeln gelten in anderen Ländern, die ich aus beruflichen Gründen bereisen muss. Gerade der enger werdende Arbeitsmarkt und wachsender Erfolgsdruck im Job führen zu Unsicherheit in Sachen Umgangsformen und dem Wunsch nach Regeln, die man einfach auswendig lernen kann.

Heutige Business-Knigges nennen im Titel einen Mann, dessen Name zu Unrecht zu einer Art Gattungsbezeichnung verkam: Adolph Freiherr Knigge (1752-1796). Knigges aufklärerisches Werk „Über den Umgang mit Menschen“ (1788) gibt Regeln für ein Miteinander aller gesellschaftlichen Stände, ohne dass jemand ausgeschlossen würde. In der Einleitung schildert der Autor den „ehrlichen Landedelmann“, der nach vielen Jahren wieder einmal am Hofe seines Landesherrn erscheint und sich denkbar unwohl fühlt: „Der besetzte Rock ist in den Schultern nicht so bequem als sein alter, treuer Überrock; der Degen gerät jeden Augenblick zwischen die Beine; er weiß nicht, was er mit dem kleinen Hütchen in der Hand anfangen soll; das Stehen wird ihm unerträglich sauer… Nun nähert er sich einem Zirkel von Leuten, die mit Interesse und Lebhaftigkeit zu reden scheinen; an diesem Gespräche wünscht er teilzunehmen; aber alles, was er hört, Gegenstand, Sprache, Ausdruck, Wendung, alles ist ihm fremd.“

Die Situation ist vertraut: Man besucht eine Gesellschaft, in der man niemanden kennt, und das womöglich noch in ungewohnter (feiner) Kleidung. Mit dem Wunsch, einen vorteilhaften Eindruck zu hinterlassen, geht starke Befangenheit einher, die sich hemmend auf die Konversation auswirkt. Während nun Knigges Sympathie gerade dem einfachen Landadligen gilt, dessen Unverstelltheit er der Oberflächlichkeit der intriganten Hofgesellschaft entgegensetzt, hebt Philip Dormer Stanhope, Earl of Chesterfield (1694-1773), die Eleganz des gesellschaftlich tonangebenden Adels hervor, die dem Nicht-Adeligen freilich abgehe: „Ein Bürger oder Mann vom Lande schämt sich, wenn er in einer Gesellschaft auftritt; er ist verlegen, weiß nicht, was er mit seinen Händen anfangen soll, wird betroffen, wenn man ihn anredet… Hingegen ein Mann, der zu leben versteht, stellt sich mit Dreistigkeit und guter Art dar und redet, ohne verlegen zu sein, auf eine natürliche, ungezwungene Art sogar Leute an, die er nicht kennt.“

Dieses unbefangene Zugehen auf Menschen steht im Berufsleben gegenwärtig hoch im Kurs. Ein Bewerber für eine Führungsposition soll „gut vernetzt“ sein, sprich: viele beruflich nützliche Kontakte geknüpft haben, und das geschieht häufig durch lockere, unverbindliche Gespräche, die am Rande von Messen, Tagungen etc. geführt werden. Die Vielzahl von Ratgebern zum Thema Smalltalk verdeutlicht, wie hoch die Fähigkeit, ins Gespräch zu kommen, bewertet wird. Das fängt bereits bei der Stellensuche an. Der Umstand, ob jemand der Aufforderung im Stellenangebot gefolgt ist, etwaige Fragen zur ausgeschriebenen Stelle telefonisch zu klären, kann bei einer Vielzahl gleichermaßen qualifizierter Bewerber ein Kriterium für eine erste Auslese sein.

Was nun der Earl of Chesterfield in seinem 1739 abgefassten Brief mit natürlich und ungezwungen meint, mag ein Porträt von 1768 verdeutlichen. Es zeigt Ernst II., den künftigen Landesherrn von Sachsen-Gotha und Altenburg. Der Dargestellte verzichtet auf typische Standesattribute der Barockzeit wie Säulen, rote Vorhänge und große Gesten. Selbstbewusst, aber keinesfalls prahlerisch, sitzt er da. Die gesellschaftliche Rolle des jungen Herzogs wird deutlich, ohne dass der den spektakulären Auftritt nötig hätte. In der Beiläufigkeit der Haltung, die als angenehmes „understatement“ ausgelegt werden kann, ist das Vorbild der englischen Porträtmalerei des 18. Jahrhunderts zu spüren, wie sie Thomas Gainsborough pflegte. Gerade in England hatte ein Benimmbuch besonders lange nachgewirkt: Der „Libro del Cortegiano“ (1528, deutsch: „Der Hofmann“) von Baldassare Castiglione (1478-1529), einem Diplomaten, der sich an den Renaissancehöfen Mailand, Mantua und Urbino aufgehalten hatte. Der „Cortegiano“ versammelt eine Anzahl von Figuren, die am Hof von Urbino im Gespräch die Anforderungen an den perfekten Höfling formulieren. Durch die Jahrhunderte wurde das Buch vielfach neu aufgelegt und in andere Sprachen übersetzt. Hier eine Schlüsselstelle: „Man muss jede Ziererei gleich einer spitzigen und gefährlichen Klippe vermeiden und, um eine neue Wendung zu gebrauchen, eine gewisse Nachlässigkeit zur Schau tragen, die die angewandte Mühe verbirgt und alles, was man tut und spricht, als ohne die geringste Kunst und gleichsam absichtslos hervorgebracht erscheinen lässt.“

Jene Nachlässigkeit, die im Italienischen als „sprezzatura“ bezeichnet wird und im englischen „understatement“ fortlebt, gilt bis heute als vorbildlich. Das mag damit zusammenhängen, dass sie das Bedürfnis des Gesprächspartners, selber eine gute Figur abzugeben, ernst nimmt und den Beifall nicht einfordert, sondern eigene Verdienste herabspielt. Castiglione mag noch an etwas anderes gedacht haben: Prahlerei ruft Neid hervor. Entsprechend empfiehlt der Renaissance-Autor, sich in Lebensstil und Konversation eine gewisse Mäßigung aufzuerlegen. Auch müsse der Hofmann die Werke anderer beifällig loben, um nicht in Verdacht zu geraten, er glaube, alles besser zu können.

Problematisch ist, dass die „sprezzatura“ ständig Gefahr läuft, in Ziererei („affetazione“) umzuschlagen. Castiglione führt einen Mann an, dem beim Tanzen die Pantoffeln von den Füßen gleiten, ohne dass ihm das bewusst zu werden scheint. Und genau das sei unglaubwürdig – der beiläufige Meistertänzer wird entlarvt als jemand, der sehr genau berechnet, was er tut.

Selbst jahrelanges Training zeitigt nicht immer den gewünschten Erfolg. William Hogarth (1697-1764) erläutert in „The Analysis of Beauty“ (1753): „Es gibt niemanden, dem nicht an einer anmutigen Körperhaltung gelegen wäre, ließe sich diese nur mit möglichst geringem Aufwand realisieren. Die üblichen Methoden jedoch, die Leute aus besseren Kreisen… anwenden, erfordern einen beträchtlichen Teil ihrer Zeit. Hinzukommt, dass selbst diejenigen, denen man gesellschaftlich den ersten Rang zubilligt, zum Erlangen einer anmutigen Haltung lediglich auf Tanz- und Fechtmeister zurückgreifen können. Das allein genügt jedoch nicht. Zwar gewöhnen sich die Glieder an anmutige Bewegungen, da jedoch das Wissen um die Herkunft der Anmut fehlt, folgen häufig falsche Anwendungen und Affektationen.“

Hogarth übernimmt das Vokabular Castigliones. Die Anmut („grazia“, „grace“) ist die über allem stehende Qualität, die hervorgebracht werden soll. Die Lässigkeit („sprezzatura“, „ease“) ist das zu diesem Zweck von Castiglione empfohlene Mittel. Hierbei gilt: Die Inszenierung der eigenen Person ist auf Alter, Stand und Charakter abzustimmen. Ein alter Mensch, der sich übertrieben jugendlich gibt, verfehlt die Anmut. Gleichwohl scheint gerade dieses Beispiel typisch zu sein, taucht es doch regelmäßig bis in unsere Zeit in Anstandsbüchern auf. Als weitere typische Unart speziell des alten Mannes gilt das unerbetene Dozieren – doch mögen sich auch Jung-Akademiker zu Herzen nehmen, was hierzu im 180 v. Chr. entstandenen Buch Jesus Sirach steht: „Ergreife das Wort, alter Mann, denn Dir steht es an. Doch schränke die Belehrung ein und halte den Gesang nicht auf.“ (Sir., 32.3)

Da haben wir sie nun doch einmal, die ganz einfachen Regeln. Dennoch, der kurze Exkurs zur Anstands- und Kunstliteratur vergangener Jahrhunderte zeigt, dass der Wunsch, sich vorteilhaft darzustellen, nicht durch bloße Rezepte zu befördern ist. Alles soll ganz leicht, natürlich und unaufdringlich wirken – aber genau das ist eine Wissenschaft für sich.

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Ergründet und entdeckt

Die ZEIT Uni-News - 25. Juni 2010 - 10:27
Warum Akupunktur hilft

Dem Rätsel, warum Akupunktur bei vielen Schmerzen Linderung verschafft, sind Wissenschaftler der University of Rochester Medical Center (US-Staat New York) auf die Spur gekommen. Nach ihren Erkenntnissen wirkt Akupunktur, weil die eingestochenen Nadeln ein schmerzstillendes Molekül freisetzen. In ihrer Untersuchung setzten die Forscher Nadeln in die Knie von Mäusen mit einer entzündeten Pfote – an der dem Menschen entsprechenden Stelle. Zudem wurden die Nadeln gedreht – auch das gehörte zur etwa halbstündigen Therapie. Daraufhin stieg der Gehalt des Botenstoffes Adenosin im akupunktierten Gewebe – ein messbarer und klar zu belegender Effekt. Zudem hätten sich die Schmerzsymptome der Versuchstiere gelindert. Adenosin kann sich an Nervenzellen binden, die Schmerz weiterleiten, und deren Aktivität mindern. Dazu koppelt das Molekül an einen Rezeptor auf den Zellen. Wenn die Wissenschaftler die Nadeln lediglich einstachen, aber nicht drehten, stieg die Adenosin-Konzentration nicht. Weiterer Beleg für die Thesen des Teams: Ein Wirkstoff, der die Lebensdauer von Adenosin an der Akupunkturseite erhöhte, verlängerte den schmerzstillenden Effekt der Nadeln. Der Botenstoff würde durch die winzigen Verletzungen der rotierenden Nadeln freigesetzt. Geschehe dies nahe genug der schmerzübertragenden Nerven, könnte das zur Unterdrückung eines lokalen Schmerzes führen (dpa, 7.6.2010; Maiken Nedergaard et.al.; DOI: 10.1038/nn.2562).

Wenn Seevögel in eine Ölpest geraten

Vor dem Hintergrund der Ölpest im Golf von Mexiko ist die Beschreibung der Schäden, die beispielsweise Vögel durch eine Ölpest davontragen, aufschlussreich – und erschreckend. Wissenschaftler der Tierärztlichen Hochschule Hannover untersuchen und behandeln ölverschmierte Vögel aus Havarien in der Ost- und Nordsee. Ihrer Untersuchung zufolge können – abhängig von der betroffenen Küstenform und den herrschenden Wetterbedingungen – im Mittel nur etwa zehn Prozent der jeweiligen Ölvögel gefunden werden. Die von den Wissenschaftlern beschriebenen – äußeren wie inneren – Schäden der einzelnen Seevögel sind vielfältig: Das verölte Gefieder ölverschmierter Seevögel verliert seine wasserabweisende und luftbindende Wirkung. Der betroffene Vogel büßt damit partiell oder vollkommen seine Schwimmfähigkeit und die lebenswichtige Wärmeisolation ein. Die Folge ist, dass die Meeresvögel auskühlen, ertrinken, verhungern und verdursten. Bei massiver Verölung durch Schweröle können sie sogar durch Verschluss von Nase und/oder Schnabelhöhle ersticken. Beim Versuch, sich zu putzen, nehmen die Tiere über den Schnabel Öl auf, Giftstoffe gelangen über die Haut ins Körperinnere. Die Folge sind morphologische Veränderungen an inneren Organen und auffällige hämatologische und blutchemische Befunde. Langzeitschäden, beispielsweise Störungen der nachfolgenden Jahresmauser, der Reproduktion oder auch nur eine verkürzte Überlebenszeit wurden bei nachfolgenden Vogelzählungen beobachtet. Kritisch merken die Wissenschaftler an, dass, obwohl wahrscheinlich verschiedene Inhaltsstoffe des Öls für die äußeren und inneren Schäden verantwortlich seien, veröffentlichte Untersuchungen zu den zu erwartenden Schäden fehlten. Diese Wissenslücke sei erstaunlich, weil nur gesicherte Untersuchungsbefunde eine kurz- wie langfristige Prognose und Behandlung der zu erwartenden Folgen für die Seevögel und damit aktiven Tierschutz ermöglichten (Kummerfeld et.al., Forschung fürs Leben 2009, 1 (2010) 65-72).

Schlaganfall – Fünf Risikofaktoren

Fünf Risikofaktoren sind für 80 Prozent aller Schlaganfälle verantwortlich. Das hat die Analyse kanadischer Wissenschaftler gezeigt, die die Daten von 3 000 Schlaganfallpatienten mit denen von 3 000 Gesunden verglichen hatten. Dabei war Bluthochdruck der wichtigste Risikofaktor: Er steigert das Risiko auf mehr als das 2,5fache. Fast ebenso gefährlich ist das Rauchen. Es verdoppelt die Schlaganfallgefahr und spielt bei jedem fünften Fall eine Rolle. Danach kommen ein dicker Bauch, ungesunde Ernährung und mangelnde Bewegung. Insgesamt identifizierten die Forscher zehn Risikofaktoren, die zusammen für 90 Prozent aller Schlaganfälle verantwortlich sind. Die Plätze fünf bis zehn teilen sich Fette, Diabetes mellitus, Alkoholkonsum, Stress und Depressionen sowie Herzstörungen (Martin J. O’Donnell et.al., Lancet 2010; 375: 10.1016/S0140-6736(10)60834-3).

100. Geburtstag des Computerpioniers Konrad Zuse

Am 22. Juni wäre Konrad Zuse, Computerpionier, Unternehmer und Künstler, 100 Jahre alt geworden. Gerade mal 26 Jahre alt, begann Zuse 1936 in einer Berliner Altbauwohnung einen Rechner zusammenzubauen. Der war so groß wie ein Kleiderschrank und bockte, wenn sich die mechanischen Schaltglieder verklemmten. Doch er hatte fast alles, was ein moderner Computer braucht. Zuse nannte seine Erfindung Z1–Z wie Zuse. Der weiterentwickelte Z3 hatte ein Speicherkapazität von 64 Wörtern und konnte in drei Sekunden multiplizieren, dividieren und Quadratwurzeln ziehen. Zuse, der sein Geld als Ingenieur bei den Berliner Henschel-Flugzeugwerken verdiente, sah sich durch die monotonen Berechnungen für Flugstatik in dem Wunsch bestärkt, eine Maschine für die lästige Arbeit zu konstruieren. „Ich bin zu faul zum Rechnen“, begründete Zuse humorvoll seinen Erfinderdrang. Privat gründete er in Berlin die Zuse-Apparate-Bau, die erste Computerfirma der Welt. Doch 1945 fiel eine Bombe auf den Firmensitz, der Z3 wurde zerstört, der Nachfolger Z4 war unfertig. Zuse fing in Westdeutschland neu an. Eine wirtschaftliche Erfolgsgeschichte blieb seiner Firma versagt. Die Konkurrenz in den USA und Deutschland holte in Sachen Computer schnell auf, in den 1960er Jahren übernahm Siemens die verschuldete Zuse KG. Das Deutsche Museum in München zeichnet mit Originaldokumenten aus dem Nachlass den Lebensweg und das Schaffen Zuses nach. Auch seine Stellung im Nationalsozialismus werde in der Ausstellung kritisch untersucht, heißt es in der Pressemitteilung des Museums.

Nichts ist umsonst

Pflanzen haben im Lauf der Evolution zahlreiche Wege entwickelt, sich gegen Feinde zu wehren. Bei einem genügend hohen Selektionsdruck wäre zu erwarten, dass immer nur diejenigen Individuen überleben, die sich am besten wehren können. Das ist aber nicht der Fall: Tatsächlich unterscheiden sich die Abwehrkräfte einzelner Pflanzen sehr, und zwar sowohl von Art zu Art als auch innerhalb einer Art. Wissenschaftler des MPI für Entwicklungsbiologie haben nun herausgefunden, dass Pflanzen, die widerstandsfähiger gegen Krankheiten sind, langsamer wachsen und in der Abwesenheit von Feinden weniger konkurrenzfähig sind als ihre anfälligeren Artgenossen. Eine Krankheitsresistenz ist also mit hohen Kosten verbunden. Ob es vorteilhafter ist, in die Resistenz oder aber in Biomasse zu investieren, hängt somit von den jeweiligen Umständen ab, die jedoch nicht vorhergesagt werden können. Daher finde man in der Natur immer sowohl die großen und verwundbaren Individuen als auch die kleinen und wehrhaften (Detlef Weigel et.al, 2.6.2010, DOI:10. 1038/nature09083).

Wochenbettdepression

Der Anstieg eines bestimmten Enzyms ist für die Entstehung der Wochenbettmelancholie verantwortlich. Das hat ein internationales Wissenschaftlerteam in einer Studie nachgewiesen. Während der ersten drei bis vier Tage nach der Geburt fällt der Östrogen-Spiegel um das 100- bis 1 000fache. Genau umgedreht proportional steige dagegen der Anteil des Enzyms Monoamin-Oxidase A, kurz MAO-A genannt. Durch dieses Enzym werden die Neurotransmitter, die für die allgemeine Stimmung veranwortlich sind, abgebaut. Fehlen sie, wird der Mensch erst traurig, später vielleicht depressiv. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass der Anteil an MAO-A im Gehirn von Frauen, die gerade ein Kind zur Welt gebracht hatten, durchschnittlich 43 Prozent höher lag als bei der Gruppe Frauen, die entweder vor sehr langer Zeit oder noch gar keine Kinder geboren hatten. 70 Prozent der Mütter leiden innerhalb der ersten Woche nach der Geburt ihres Kindes unter Wochenbettmelancholie. Bei etwa 13 Prozent klingen die Symptome nicht wieder ab, sondern manifestieren sich innerhalb der ersten drei Monate nach der Geburt zu einer Wochenbettdepression (MPI für Kognitions- und Neurowissenschaften et.al., 16.6.2010; Period Arch Gen Psychiatry 67(5):468-474 (2010).

Sterngeschwindigkeit

Die Geschwindigkeit der Sterne ist nicht wie angenommen von ihrer Größe abhängig, sondern beträgt gleichmäßig 4,5 Kilometer pro Sekunde. Das haben Forscher des MPI für Astronomie mithilfe des „Hubble“-Teleskops herausgefunden. Die Forscher hatten einen besonders unruhigen jungen Sternenhaufen im Abstand von zehn Jahren analysiert. Pro Stunde rasen die Himmelskörper mit 16 200 Kilometern durch das All. In älteren Kugelsternhaufen bewegten sich kleinere Sterne schneller und größere Sterne langsamer. Ein solches Gleichgewicht habe sich aber in dem beobachteten Haufen noch nicht eingestellt. Die Forscher vermuten, dass die Sterngeschwindigkeiten maßgeblich von den Entstehungsbedingungen des Haufens vor rund einer Million Jahren geprägt seien (dpa, 7.6.2010).

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Fundsachen

Die ZEIT Uni-News - 25. Juni 2010 - 10:27
Angekommen (I)

„Der Bachelor ist in der Breite längst in der Wirtschaft angekommen, während in einigen Hörsälen noch immer sein Sterben herbeigeredet wird.“

Thomas Sattelberger, Personalvorstand der Telekom; zitiert nach Süddeutsche Zeitung vom 25. Mai 2010

Angekommen (II)

„Das ist vielleicht das letzte Mal, dass Sie mich umsonst hören können.“

Der Pianist Friedrich Gulda zu seinen Prüfern beim Konzertexamen; zitiert nach Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 19. Juni 2010

Brav

„Von jungen Philosophen weiß ich, dass sie gerne etwas Neues, etwas Provokatives schreiben möchten, doch sie vermuten (wohl zu Recht), dass sie damit bei dem Peer-Review durchfallen – einer der Fachleute könnte das für unwissenschaftlich halten. Sie müssen aber publizieren, um zu einer Professur zu kommen und senden etwas ,Braves’ ein, dem sie größere Publikationschancen einräumen. Oder können Sie sich vorstellen, dass ein Heidegger, Kierkegaard, Nietzsche oder Wittgenstein in einer Zeitschrift mit Peer-Review-Verfahren hätte publizieren können? Aber mit einem banalen Text über Kierkegaard kann man das sehr wohl, sofern er bestimmten Kriterien entspricht.“

Peter Moser, Herausgeber der Zeitschrift „Information Philosophie“; zitiert nach Süddeutsche Zeitung vom 16. Juni 2010

Rezepte (I)

„Um noch bestehende Mobilitätshemmnisse im Bologna-Prozess an den Hochschulen abzubauen, wollen die Länder stärker sozial benachteiligte Bürger und Menschen mit Migrationshintergrund in die Mobilitätsprogramme einbeziehen. Dazu erwägen sie auch erhöhte Fördersätze.“

dpa-Kulturdienst vom 31. Mai 2010

Rezepte (II)

„Die Abschlüsse könnten ,Diplom-Ingenieur (Master)’ und ,Diplom-Ingenieur (Bachelor)’ heißen.“

Vorschlag von Willi Fuchs, Direktor des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI), um die Marke „Diplom-Ingenieur“ beizubehalten; zitiert nach Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 19. Juni 2010

Dumm

„Die Länderfinanzminister wollen Deutschland dumm sparen. Sie attackieren die geplante und notwendige BAföG-Erhöhung in unverantwortlicher Weise.“

Professor Margret Wintermantel, Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz (HRK); zitiert nach dpa-Kulturdienst vom 24. Mai 2010

Katastrophal

„Durch die massiven Steuerausfälle von Kommunen und Ländern werden bereits heute die Bildungsausgaben drastisch gekürzt statt endlich mehr in Kitas, Schulen und Hochschulen zu investieren. (…) Wir steuern auf ein Bildungstal zu, das immer mehr jungen Menschen Bildungschancen verwehrt. Damit folgt der Finanzkatastrophe die Bildungskatastrophe.“

Eva-Maria Stange, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft für Bildung in der SPD; zitiert nach dpa-Kulturdienst vom 14. Juni 2010

Töricht

„Beim Goethe-Institut ginge es um Einsparungen in der Größenordnung einer besseren Autobahnbrücke – das wäre töricht bis zum Unerträglichen.“

Peter Gauweiler (CSU), Vorsitzender des Unterausschusses Auswärtige Kulturpolitik des Deutschen Bundestages; zitiert nach dpa-Kulturdienst vom 7. Juni 2010.

Maschinen

„In ihrem Streben nach Vorteilen im internationalen Wettbewerb verzichten die Staaten und ihre Bildungseinrichtungen zunehmend auf die Fertigkeiten, die es braucht, um die Demokratie lebendig zu erhalten. Wenn sich diese Entwicklung fortsetzt, werden die Staaten überall auf der Welt bald Generationen von nützlichen, fügsamen, technisch gut ausgebildeten Maschinen hervorbringen, anstelle von selbstbewussten Bürgern, die selber denken und das Hergebrachte kritisieren sowie das Leiden und die Leistungen anderer Menschen verstehen können.“

Martha C. Nussbaum, University of Chicago; zitiert nach Süddeutsche Zeitung vom 8. Juni 2010

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Führendes Hochschulranking mit schweren Mängeln

Die ZEIT Uni-News - 25. Juni 2010 - 10:26

Der Herausgeber eines der weltweit einflussreichsten Universitätsrankings – des Times Higher Education World University Rankings – hat in der Wochenzeitung Die Zeit schwerwiegende Mängel in der Methodik eingeräumt. „Die Ranglisten der besten internationalen Universitäten, die meine Zeitschrift in den vergangenen sechs Jahren veröffentlicht hat, sind ihrem Zweck nicht gerecht geworden“, sagte Phil Baty, stellvertretender Herausgeber des Magazins „Times Higher Education“ und Herausgeber des Times Higher Education World University Rankings. Die Erhebungsmethode sei fehlerhaft gewesen, die Kriterien habe man zum Teil falsch gewählt und gewichtet.

Der wichtigste Indikator beispielsweise, eine Meinungsumfrage unter Hochschullehrern, auf der bislang 40 Prozent der Gesamtpunktzahl einer Universität basierte, sei über eine viel zu geringe Zahl an Interviews ermittelt worden. „Die Werte für einzelne Länder sind erschreckend“, sagte Baty. So habe man 2008 mit gerade einmal 563 Rückantworten aus Großbritannien gearbeitet, „lächerliche 182 Antworten kamen aus Deutschland.“ Die Folge seien „dramatische Sprünge“ gerade auch deutscher Hochschulen gewesen, etwa der Freien Universität Berlin, die von einem Jahr aufs andere um 43 Ränge von Platz 137 auf Platz 94 vorgeprescht sei.

Für dieses Jahr gelobte Baty Besserung. Man habe die Umfragezahlen deutlich ausgeweitet und die Auswahl der Befragten professionalisiert. Einer weiteren Kritik folgend, werde das Ranking künftig auch die unterschiedlichen Zitiergewohnheiten der einzelnen Fächer berücksichtigen, da in der Vergangenheit die Geistes- und Sozialwissenschaften eindeutig benachteiligt worden seien. Die Macher der Rangliste seien sich ihrer Verpflichtung bewusst, der Einfluss der Ergebnisse auf den Ruf der Hochschulen, die Höhe staatlicher Zuschüsse und sogar einzelner Rektorenkarrieren sei groß. „Wir wissen: Nur wenn wir unser Ranking grundlegend überarbeiten, wird es seinem Zweck gerecht werden.“

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Neuer HU-Präsident Olbertz in der Kritik

Die ZEIT Uni-News - 25. Juni 2010 - 10:26

Der neu gewählte Präsident der Humboldt Universität zu Berlin, Jan-Hendrik Olbertz, ist wegen seiner Habilitationsschrift aus dem Jahr 1989 in die Kritik geraten. Dem Erziehungswissenschaftler wird vorgeworfen, er habe in seiner Schrift eine zu große Nähe zum DDR-Regime erkennen lassen. Olbertz verteidigte sich laut dpa damit, die Arbeit sei frei zugänglich und der Inhalt lange bekannt gewesen. Er habe früher ein paar Zugeständnisse gemacht, „aber nur mit Worten, vielleicht ein paar zu vielen“. Die Schrift habe auch der Berufungskommission der Universität vorgelegen. Verteidigt wurde Olbertz von dem Generalsekretär der Kultusministerkonferenz, Erich Thies. Thies wurde in der F.A.Z. mit der Aussage zitiert, die Humboldt-Universität habe einen Präsidenten gewählt und keinen Erziehungswissenschaftler berufen. Scharfe Kritik kam dagegen von dem DDR-Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk. Er bezeichnete die Arbeit als „marxistisch-leninistische Propagandaschrift“. Auch der emeritierte Theologe Richard Schröder äußerte sich Olbertz gegenüber kritisch. Spiegel online sagte er, die Humboldt-Universität habe sich mit Olbertz’ Wahl einen Bärendienst erwiesen. In einem Beitrag für die Welt erläuterte er, dass nach der Verfassung der HU ein Präsident, der auswärts Professor gewesen sei, automatisch an der HU eine Professur seines Faches bekomme, und zwar ohne den Einsatz einer Berufungskommission. Die Findungskommission für diese Präsidentenwahl müsse aber übersehen haben, dass sie auch die Funktion einer Berufungskommission wahrzunehmen hatte. Deren Vorsitzender hätte gegenüber der F.A.Z. erklärt, man habe in diesem Verfahren die beiden Hochschulschriften von Olbertz nicht gelesen.

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Basislager statt Bildungsgipfel

Die ZEIT Uni-News - 25. Juni 2010 - 10:26

Bund und Länder haben sich beim dritten Bildungsgipfel am 10. Juni 2010 in Berlin auf einen Qualitätspakt für eine bessere Hochschullehre verständigt. Danach fließen in den nächsten zehn Jahren mehr als zwei Milliarden Euro zur Personalgewinnung und Personalqualifizierung an die Hochschulen. Der Bund zahlt 90 Prozent, die restlichen zehn Prozent sollen die Länder tragen.

Keine Einigung konnte dagegen über die beabsichtigte Anhebung des BAföG und die Errichtung eines nationalen Stipendienprogramms erzielt werden, weil Bund und Länder weiter über die künftige Bildungsfinanzierung streiten. Die Ministerpräsidenten der Länder konnten sich beim dritten Bildungsgipfel mit Bundeskanzlerin Angela Merkel nicht auf eine Verteilung der Kosten für das seit dem ersten Bildungsgipfel im Jahr 2008 beschlossene Ziel verständigen, die Investitionen in Bildung und Forschung von derzeit 8,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts bis 2015 auf zehn Prozent zu steigern. Die Länder hatten zur Finanzierung einen höheren Anteil an der Mehrwertsteuer gefordert, den ihnen die Bundeskanzlerin vorerst nicht zugestehen will.

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Umfrage: Keine Verbesserung der Lehre durch BA/MA

Die ZEIT Uni-News - 25. Juni 2010 - 10:26

Laut einer aktuellen Umfrage der rheinland-pfälzischen CDU-Landtagsfraktion sind 91 Prozent der Universitätsprofessoren in Rheinland-Pfalz der Überzeugung, dass der Bologna-Prozess die Qualität der wissenschaftlichen Lehre nicht verbessert habe. 84 Prozent sagen, dass die neue Studienstruktur die finanzielle und personelle Situation an den Hochschulen im Land noch einmal „spürbar verschlechtert“ habe. Auch die These, dass das Kernproblem des Bologna-Prozesses seine Umsetzung, nicht seine Grundstruktur sei, wird von der Mehrheit der Befragten abgelehnt. 59,5 Prozent stimmen dieser Aussage nicht oder eher nicht zu, 40,5 Prozent stimmen ihr weitgehend oder ganz zu. Die Arbeit der Akkreditierungsagenturen wird von der überwältigenden Mehrheit der Hochschullehrer negativ bewertet. 91,5 Prozent stimmten der Frage, ob die Arbeit der Agenturen die Qualität des Studiengangs spürbar verbessert habe, nicht oder eher nicht zu. Weiter sind die Hochschullehrer der Auffassung, dass sich die Verwaltungsaufgaben des Lehrpersonals durch die neue Studienstruktur stark erhöht habe (93,6 Prozent). 89,4 Prozent bemängeln, dass die Universitäten in Rheinland-Pfalz weder personell noch finanziell die Unterstützung bekämen, die für die Umsetzung der Bologna-Reform notwendig sei.

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